Der Campus der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn erstrahlt nach Sanierung, Erweiterung und Aufstockung in neuem Glanz. Auf dem Gelände der ehemaligen Textilschule entstanden flexible Strukturen für Forschung, Lehre und Begegnung – ein lebendiges Beispiel für das Weiterbauen.

Text Verena Jakoubek-Konrad · Fotos Dominic Kummer

Der Campus der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn ist weit mehr als eine Hochschule: Er ist ein Ort, an dem Geschichte, Bildung und Stadtentwicklung aufeinandertreffen. Seit ihrer Gründung 1991, zunächst als Vorarlberger Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, prägt die Bildungsinstitution praxisnahe Ausbildung, Forschung und Innovation. Heute bietet die Fachhochschule Vorarlberg 18 Studiengänge in den Disziplinen Technik, Wirtschaft, Gestaltung sowie Soziales und Gesundheit an. Insgesamt studieren hier 1700 Menschen. Darüber hinaus werden 16 Weiterbildungslehrgänge angeboten. Rund 8200 Absolvent(inn)en haben bisher ein Studium an der FHV absolviert. Doch die Wurzeln des Standortes reichen weiter zurück in die jüngere Geschichte: Auf dem Gelände stand einst die Textilschule Dornbirn, ein Zentrum für Handwerk, Wissenstransfer und technisches Lernen, das bis heute Spuren im architektonischen Ensemble, aber auch in der sozio-kulturellen Prägung der Region hinterlässt. Seit 1956 prägt das denkmalgeschützte Ensemble entlang der Dornbirner Ache das Stadtbild. Unterschiedlich hohe Hauptvolumina, verbunden durch niedrige Zwischenbauten, bilden eine Komposition, die Spannungen ebenso wie Harmonie erzeugt.

Wertvolle Zeitzeugen der regionalen Baugeschichte sind erhalten geblieben. Die Architektur spiegelt die kontinuierliche Transformation der Bildungslandschaft wider. Mit der jüngsten Sanierung, Aufstockung und Erweiterung wird diese Geschichte behutsam fortgeführt. Östlich am Gelände entstand ein siebengeschoßiges, turmartiges Gebäude, das die Höhenbewegungen der Bestandsbauten aufgreift und gleichzeitig mit den Hochpunkten des Quartiers in Beziehung tritt. Der Neubau schafft allseitig gut proportionierte Außenräume, vermittelt Präsenz und eröffnet Perspektiven für künftige Erweiterungen des Campus Richtung Osten – ein Beispiel für ständiges Weiterbauen, das auf historische Strukturen Rücksicht nimmt. Das Projekt ist integraler Bestandteil der städtischen Entwicklung im Quartier Campus V, einem dynamischen Bildungs- und Innovationsquartier. Dieses Quartier bündelt Hochschule, Unternehmen und Stadtleben, schafft urbane Qualitäten und vernetzt Lehre, Forschung und gesellschaftliches Leben. Der FHV-Campus vermittelt zwischen großvolumigen Baukörpern im Süden und kleinteiliger Bebauung im Norden und stärkt so die städtische Präsenz.

„Das Juwel aus den 1950er-Jahren wurde behutsam saniert und
zum Hochschulcampus von herausragender architektonischer Dichte weiterentwickelt.“

Andreas Cukrowicz
cn architekten

Die Architektenteams – Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH für den Neubau und die Sanierung des Standortes Achstraße und Walser + Werle Architekten ZT GmbH für Aufstockung – haben gemeinsam mit allen Beteiligten ein Ensemble geschaffen, das in Funktion, Ästhetik und städtebaulicher Wirkung überzeugt. Für die Nutzer(innen) der Fachhochschule war der Umbau eine Herausforderung, aber auch spannungsvoll erwartet. Neue, qualitätsvolle Räume sind auch ein Aspekt der Hochschulentwicklung. Im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens mit den Nutzer(inne)n wurde ein Nutzungskonzept entwickelt, dass Teil der Wettbewerbsunterlagen war. Die Umsetzung während des laufenden Betriebs erforderte Fingerspitzengefühl. Etappenweise Bauabschnitte und enge Zusammenarbeit mit Lehrenden, Studierenden und Verwaltung ermöglichten kontinuierlichen Betrieb und spürbare Verbesserungen bereits während der Bauphase.

Die internen Strukturen sind bewusst flexibel gestaltet. Bauteil G, das turmartige Erweiterungsgebäude, basiert auf einem festen Erschließungskern, erlaubt aber differenzierte Nutzungsszenarien auf acht Ebenen. Zwei Grundrisstypologien für Lehre und Verwaltung ermöglichen Anpassungen an wechselnde Bedürfnisse. Bauteil C wurde als kommunikatives Gelenk neu gestaltet: Die großzügige (öffentliche!) Cafeteria, lichtdurchflutete Treffpunkte und barrierefreie Erschließungen bilden eine zentrale Drehscheibe, die Foyer, Bibliothek, Campus-Platz und Campus-Hof miteinander verknüpft. Offene, nutzungsneutrale Räume fördern Austausch, Vernetzung und gemeinsames Lernen. Der Campus der FHV verfügt heute über zahlreiche Hörsäle, Seminarräume, Computerpools und Labore, und eine Bibliothek. Grundsätzlich stehen den Studierenden (fast) alle Lehrräume auch außerhalb der Lehrveranstaltungszeiten zur Verfügung (24/7-Prinzip). Parallel zur Erweiterung wurde der denkmalgeschützte Bestand sorgfältig restauriert. Ersetzt wurde, was nicht mehr tauglich und sanierbar war.

Das Loslassen war für viele auch ein Abschiedsschmerz. Fassaden entlang der Dornbirner Ache, Zeugnisse der Industriegeschichte und der ehemaligen Textilschule, blieben erhalten und bilden den historischen Rahmen für die neue Campusarchitektur. Materialwahl und Konstruktion – Stahl- und Stahlbetonkonstruktion, Holz-Aluminium-Fenster, Aluminiumverbundplatten, geöltes Parkett – verbinden Langlebigkeit, Funktionalität und zeitgemäße Ästhetik. Horizontale Fensterbänder und geschlossene Flächen ordnen die Fassade und schaffen Ruhe und Klarheit. Auch Kunst für die Kunst gibt es Raum: Installationen von Veronika Schubert und Arbeiten des „Sporadischen Instituts“ (Bernhard Garnicnig und Mathias Garnitschnig ) beziehen sich auf Geschichte, Raum und Nutzung, integrieren sie in den Campusalltag und regen Studierende zur Reflexion an. Das Ensemble zeigt, dass Bildungsarchitektur mehr ist als funktionaler Raum. Sie bewahrt kulturelle Werte, schafft Begegnung, ermöglicht flexible Nutzung und fördert Innovation. Der Campus der FHV im Quartier Campus V ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft im Dialog stehen – ein Symbol für die Bildungs- und Stadtentwicklungsstrategie Vorarlbergs.

Eine Baukulturgeschichte von VAI.

Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg.
Es bietet Ausstellungen, Veranstaltungen und Führungen zu diversen Bauten. Mehr Infos auf www.v-a-i.at

VH Vorarlberg, Dornbirn

Projekt: Erweiterung und Sanierung FHV Achstraße/Aufstockung FHV Hochschulstraße
Bauherrschaft: Land Vorarlberg
Architektur: Generalplaner: Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH, Bregenz (Erweiterung und Sanierung FHV Achstraße) und Walser + Werle Architekten ZT GmbH (Aufstockung FHV Hochschulstraße)
Fachplanung: 2022–2024
Fläche: 1235 m² BGF
Fachplanung: Örtliche Bauaufsicht: Koncret GmbH, Dornbirn; Landschafts-planung: Vogt Landschaftsarchitekten AG,
Zürich; Haustechnik: Koller& Partner GmbH, Bregenz; Elektroplanung: IB Hiebeler-Mathis OG, Hörbranz; Tragwerksplanung: gbd ZT GmbH, Dornbirn