Mittags- und Nachmittagsbetreuung sind an vielen Schulen mittlerweile Standard. Dafür braucht man neue Räume, die im Bestand herzustellen oft eine große Herausforderung darstellt. Die Mittagsbetreuung an der Volksschule Montfort in Rankweil ist ein gelungenes Beispiel, wie mit wenig Aufwand im Bestand ein großer Mehrwert für Kinder, Familien, Schule und Gemeinde entstehen kann.

Text: Verena Konrad · Fotos: Albrecht Imanuel Schnabel

Die Betreuung von Kindern zu Mittag und am Nachmittag spielt eine immer wichtigere Rolle im Alltag von Schule, Familien und damit für gesellschaftliche Entwicklung. Sie hilft Eltern dabei, Familie und Beruf besser zu vereinbaren, und unterstützt Kinder bei ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung. Besonders für Kinder in herausfordernden Situationen bietet dieses Angebot Chancen durch Lernhilfe, soziale Förderung und sinnvolle Freizeitangebote. Mittagsbetreuung, integrierte Freizeitangebote im Schulalltag, Lernhilfen, aber auch die Versorgung mit einem gesunden Essen sind wertvolle Elemente eines neuen Schulalltags und unterstützen Kinder, Eltern, Schulen gleichermaßen, aber nicht nur. Auch wer nicht direkt betroffen ist, profitiert von dieser Entwicklung, weil sie Bildung, Integration und Chancengleichheit fördert.

Herausfordernd bleibt die Adaptierung bestehender Strukturen mit diesen Angeboten allemal, und guter Wille allein reicht nicht aus. Verantwortliche bei Bund, Land und Gemeinden, in den Schulen selbst, aber auch Dienstleiter und Zulieferer können ein Lied davon singen. In der Volksschule Montfort in Rankweil scheint der Spagat zu gelingen, auch dank neuer räumlicher Strukturen, die das Miteinander von Akteur(inn)en und Funktionen leichter machen. In ein bestehendes Bauwerk planten Philipp Berktold und Helena Weber von Berktold Weber Architekten eine neue Raumeinheit. Der Raum ist von mehreren Seiten zugänglich und einsehbar. Die Mittagsbetreuung ist damit nicht versteckt, sondern ein neues, wertvolles Angebot geworden. Ein Lernraum, ebenso adaptierter Bestand, wird für das Erledigen der Hausaufgaben, Förder- und Spielangebote genutzt.

„Für Kinder zu planen, ist eine besondere Freude
und Herausforderung. Es geht darum sowohl den Bedürfnissen
der kleinen Nutzer(innen) als auch dem System Schule gerecht zu werden.“

Helena Weber
Architektin

Zentral im Mittagsraum ist eine offene Zone, locker möbliert und eingefangen durch ein Regal aus Sitzgelegenheit und geschlossen durch Glas. Eine funktionale wie gut platzierte Küche mit kleinem Nebenraum dient als Grundausstattung und Infrastruktur für den Versorgungsbetrieb. Die Kinder sollen die Lebensmittel sehen können, probieren, dabei sein, wenn Teller befüllt und ein paar freundliche Worte ausgetauscht werden. Miteinander essen ist Kultur und trägt zu Wohlbefinden, Kommunikation und Wertschätzung bei. Als Ort der Gemeinschaft liefert der neue Raum den Rahmen, und das ästhetisch erkennbar und im wahrsten Sinne des Wortes.

Architektin Helena Weber und Architekt Philipp Berktold haben die Aufgabe mit Blick für Details übernommen. Gute Kommunikation mit Gemeinde und Schulleitung, ein Gespür für die Aufgabe und Freude an der kleinen, deshalb aber nicht weniger bedeutungsvollen Bauaufgabe, zeigen deutliche Wirkung. Entstanden sind ruhige, luftige, helle und freundliche Räume, die dem Schulalltag und allen, die sich in ihm bewegen, guttun. Multifunktionale Nutzbarkeit war im Entwurf ebenso ein Kriterium wie hochwertige und damit langlebige Umsetzung.

Im Bestand zu bauen ist mittlerweile nicht mehr nur notwendiges Übel, sondern vielfach Programm. Die Wertschätzung des Bestandes und der Arbeit und Investition der vorherigen Generation spiegelt sich darin ebenso wieder wie die Einsicht, dass ökologisches Bauen nicht erst bei der Wahl des Materials beginnt. Wer ernst nimmt, dass sich öffentliche Träger ebenso wie der Stand der Architekt(inn)en um Strukturen von Dauer, um nachhaltige Entwicklungen kümmern sollen, findet hier schnell auf einen gemeinsamen Nenner, der nicht klein, sondern groß ist und ebensolchen Impact hat. „Es muss nicht immer alles verändert werden. Manchmal genügen wenige kluge Eingriffe, um eine neue Funktion unterzubringen“, sagt dazu Philipp Berktold.

Eine Baukulturgeschichte von VAI.

Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg.
Es bietet Ausstellungen, Veranstaltungen und Führungen zu diversen Bauten. Mehr Infos auf www.v-a-i.at

Schulkindbetreuung Montfort, Rankweil

Bauherr: Marktgemeinde Rankweil
Architektur und Bauleitung: Berktold Weber Architekten ZT GmbH, Dornbirn, www.berktold-weber.com
Statik: M+G Ingenieure, Feldkirch, www.m-g.at
Planung: 2021–2022
Ausführung: 2022–2023
Nutzfläche: 212 m²
Fachplanung: ÖBA: Hämmerle Tschikof GmbH, Dornbirn; Bauphysik: Spektrum Bauphysik & Bauökologie GmbH, Dornbirn; Elektro: Kollmann electric, Rankweil; Haustechnik: ETG Energie- und Sanitärtechnik GmbH, Rankweil; Brandschutz: IHW Ingenieurbüro Huber GmbH, Weiler; Gastro: Pretterhofer Gastronomie und Kältetechnik GmbH