Energieeffizientes Bauen soll die Belastungen für das Klima und die Umwelt verringern. Außerdem ersparen sich Haus- und Wohnungsbesitzer viel an Heizkosten.

Energie sparen ist ein gemeinsames Ziel aller Länder der EU. Im Dezember 2008 einigte sich die Europäische Union auf Richtlinien- und Zielpakete für Klimaschutz und Energie. Diese Zielvorgaben bis 2020 enthält die 20-20-20- Ziele. Bis zum Jahr 2020 sollen 20 Prozent weniger Treibhausgase emittiert werden, der Anteil der erneuerbaren Energien soll um 20 Prozent gesteigert werden und die Mitgliedsstaaten und deren Bürger sollen um 20 Prozent energieeffizienter sein. Die Vorgaben für ein energieeffizientes Bauen sind in den Richtlinien der EU festgelegt, die die Mitgliedsstaaten mit nationalen Bestimmungen umsetzen. In Österreich gibt es dafür das „Energieausweis-Vorlage-Gesetz“. Gebäude werden nach ihrem energetischen Standard eingeteilt von A++ Passivhaus bis G – das wären alte und unsanierte Gebäude. Energieeffizienz gibt an, wie viel Energie aufgewendet werden muss, um einen bestimmten Nutzen zu erzielen. Dieser Nutzen könnte zum Beispiel sein, eine bestimmte Raumtemperatur von 22 Grad zu erreichen. Wenn nur ein minimaler Aufwand betrieben werden muss, gilt ein Objekt oder ein Gerät als maximal effizient.

Wärmedämmung

Der Gebäudesektor hat ein sehr hohes Potenzial für Energieeinsparung. Noch vor zwei Jahrzehnten wurden Häuser so gebaut, dass sie mehrere Tausend Liter Heizöl pro Jahr benötigten, damit die Bewohner im Winter nicht frieren. Mit der Energiekrise, den hohen Brennstoffpreisen und den jedes Jahr spürbareren Auswirkungen des Klimawandels fand ein Umdenken statt, Gebäude energieeffizienter zu bauen. Gebäude bis Baujahr 1977 brauchen bis zu 20 Liter Heizöl pro Quadratmeter pro Jahr. Mit Passivhausstandard kann der Heizölverbrauch bis auf 1,5 Liter und weniger pro Quadratmeter und Jahr gesenkt werden. Das Passivhaus ist ein Gebäudestandard, der energieeffizient, wirtschaftlich und umweltfreundlich ist. Es ist ein Baukonzept, das 90 Prozent weniger Heizwärme benötigt als ein Altbau, und verglichen mit einem durchschnittlichen Neubau rund 75 Prozent weniger Heizenergie benötigt. Eine hohe Energieeffizienz erreicht man durch eine gute Wärmedämmung und Abdichtung der Gebäudehülle. Besondere Fenster und eine Hülle aus hochwirksamer Wärmedämmung in den Außenwänden, dem Dach und der Bodenplatte halten die Wärme im Haus. Diese Art zu bauen wird als Niedrigenergiebauweise bezeichnet. Die Niedrigenergiebauweise ist im Holzbau und in Massivbauweise mit dem entsprechenden Wandaufbau und Dämmschichten möglich. Passivhäuser benötigen eine noch bessere Wärmedämmung, zum Beispiel aus Mineralwolle, aufgeschäumten Polystorol, Kork oder Zelluloseflocken. Die Wärmedämmung muss doppelt so dick sein, ungefähr 35 bis 40 Zentimeter. Dazu gehören auch wärmedämmende Fenster mit Mehrfachverglasung und gut abgedichtete Türöffnungen. Je dichter das Haus, desto weniger Raumwärme entweicht durch Öffnungen und Fugen. Passivhäuser sind fast luftdicht gebaut, haben aber eine automatische Lüftung.

Wärme aus Abluft rückgewinnen

Die automatische Lüftung sorgt auch für frische Luft in Form einer Lüftungsanlage, die die Wärme der Abluft rückgewinnt. Das Passivhaus nutzt die in seinem Inneren vorhandenen Energiequellen, wie die Körperwärme von Personen, oder die einfallende Sonnenwärme. Passivhäuser sollten nach Süden ausgerichtet sein. Auf der Südseite sollte die Fassade eine große Fensteröffnung haben, um die Sonnenwärme optimal zu nutzen. Die Nachbargebäude sollten so weit entfernt stehen, dass die tiefstehende Sonne sogar am 21. Dezember noch voll ins Erdgeschoß scheinen kann.

Klimaaktiv

Klimaaktive Gebäude gehen über Energieeffizienz hinaus. Der klimaaktiv Gebäudestandard ist in Österreich das bekannteste Bewertungssystem für die Nachhaltigkeit von Gebäuden mit Fokus auf Energieeffizienz, Klimaschutz und Ressourceneffizienz. Gebäude, die klimaaktiv gebaut werden, garantieren hochwertige Standards. Neben der Energieeffizienz werden die Qualität der Planung, der Ausführung, der Baustoffe, der Konstruktion, der Raumluftqualität und der Komfort von einer neutralen Stelle beurteilt und bewertet.

Der klimaaktive Gebäudestandard gibt Immobilienentwicklern, Planern, Baumeistern, Wohnbauträgern und Wohnbauförderstellen konkrete Hilfestellung und Sicherheit. Klimaaktiv hat eigene Standards. Neubauten und Sanierungen in klimaaktiver Qualität reduzieren den Wärmebedarf rund um ein Drittel gegenüber Standardbauten. Mit „Klimaaktiv Gold“ wird sogar nur ein Viertel Energie benötigt. Klimaaktiv sorgt für Behaglichkeit im Sommer und Winter. Im klimaaktiv Gebäude wird durch die Dämmung mehr Behaglichkeit erreicht. Die Raumqualität ist verbessert, weil schadstoffarme Baustoffe mit Lüftungs-anlagen verwendet werden. Bei der Planung und Ausführung werden hohe Qualitätsansprüche sicher gestellt. Der Standard „klimaaktiv“ spart Energiekosten und erleichtert den Zugang zu Förderungen für Neubauten und Sanierungen.