Der neue Bürgerservice der Stadt Bregenz ist seit nun knapp zwei Jahren im Rathaus untergebracht und damit an der ersten Adresse. Ein schönes Zeichen für Bürgernähe und die Serviceorientierung der Stadtverwaltung. Doch nicht nur die Adresse ist prominent, auch die neue Gestaltung erweist sich als nahbar und optimal zugänglich.

 

Text: Verena Konrad | Fotos: David Schreyer

Das Bregenzer Rathaus wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert als Lagerhaus errichtet und seither schon mehrfach umgebaut. Ab 1720 wurde das Gebäude zur Stadtkanzlei umgebaut. Damals bereits administrative Drehscheibe für die Stadtregierung ist das Gebäude bis heute Sitz der Stadtpolitik, seit 1810/11 wird es als Rathaus genützt. Wenig später im 19. Jahrhundert hat es seine heutige Gestalt bekommen. Seit 2022 ist hier nun auch der Bürger(innen)service der Stadt Bregenz zu Hause. Die Verlegung ist auch eine symbolische Geste. Serviceleistungen für die Bürger(innen) sollen im Mittelpunkt stehen, die Belange der Bürger(innen) sichtbar ernst genommen werden.

Hier werden Dokumente wie Personalausweise und Pässe ausgestellt, Wohnsitzmeldungen vorgenommen, Dokumente beglaubigt und Beratungen angeboten. Auch Bauanträge können hier eingereicht werden, Gewerbe angemeldet und Anträge auf Sozialleistungen gestellt, kurz: Serviceleistungen für alle Lebenslagen bezogen werden. Das historische und unter Denkmalschutz stehende Gebäude hat mit dem Bürger(innen)-service auch neue Herausforderungen zu bewältigen – eine davon ist die gestiegene Frequenz. Täglich gehen hier viele Menschen ein und aus – die Räume sollten jedoch im Wesentlichen ihre Gestalt behalten und nur wenig verändert werden.

„Unser Ziel war ein sensibler Umgang mit dem Bestand und eine starke Nutzer(innen)-orientierung.“

Bernd Rommel
Architekt

Matthias Hein und sein Team, allen voran Projektleiter Bernd Rommel, haben die Aufgabe übernommen, den Bürgerservice neu zu gestalten. Dabei standen neben der Barrierefreiheit und der übersichtlichen Raumorganisation vor allem die Bedürfnisse der Bürger(innen) und Mitarbeiter(innen) im Fokus: Gute Arbeitsplätze mit genügend Licht – gar nicht einfach im historischen Gewölbe – Privatsphäre für Beratungen, aber auch eine Antwort auf ein steigendes Sicherheitsbedürfnis bei den Mitarbeiter(inne)n waren gefragt. Viel zu wenig ist der Allgemeinheit bekannt, welchen Herausforderungen das Personal in den Ämtern ausgesetzt ist. Auf all diese Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen und den Bestand zu erhalten, war die Ausgangslage. Wer heute die neuen, alten Räume betritt, kann erleben, wie unaufgeregt und gut die Aufgabe bewältigt wurde. Entstanden sind schlicht-elegante Räume mit klarer Struktur.

Der Eingang ist markant gestaltet und nimmt mit weit ausladender Glasfassade die Geometrie des Raumes auf. Die deutlichste Prägung erfährt selbiger durch ein historisches Gewölbe. Dieses wurde auch als Grundlage für die Segmentierung des Raumes in kleine Kojen verwendet. Als erster Schritt erfolgte jedoch eine intensive Auseinandersetzung mit der Bausubstanz mit begleitender Beratung durch das Bundesdenkmalamt. Es wurden Wandeinbauten jüngerer Jahre entfernt und ein großer, zusammenhängender Raum wiederhergestellt. Plötzlich wirkten die imposanten Gewölbe mit ihren ausladenden Stützen in vorher ungeahnter Weise. Ziel der architektonischen Gestaltung war es nun, diesen Raum in seinem beeindruckenden Volumen wirken zu lassen und gleichzeitig die funktional notwendige Trennung der unterschiedlichen Teilbereiche herzustellen. Diese Aufgabe ist für die Funktion als Bürgerservice besonders wichtig, sollten doch diskrete Zonen entstehen, in denen Menschen ihre privaten Anliegen vorbringen können. Die Materialisierung des Steinbodens wurde an das bestehende Rathaus, und somit an den Umbau des Hauses durch den bekannten und prägenden Architekten Hans Purin im Jahr 1991, angeglichen.

Alle Einrichtungseinbauten wurden in enger Zusammenarbeit mit den Nutzer(inne)n entwickelt und auf deren Bedürfnisse zugeschnitten. Gefertigt wurden sie schließlich in warmem Nußholz. Die Wartebänke sowie die im Stehen nutzbaren Infoterminals in der Erschließungszone wurden als Reminiszenz an die Arbeit von Hans Purin angelegt und transformieren seine damalige Arbeit in die heutige Zeit. Durch den Umbau und die Neustrukturierung der Räumlichkeiten hat das Erdgeschoß mit seinen Servicefunktionen eine angemessene Präsenz an der Rathausstraße bekommen und die Stadt Bregenz einen bestens zugänglichen Raum für die Belange der Menschen.

Daten & Fakten

Objekt: Bürgerservice Bregenz

Bauherr: Stadt Bregenz

Architektur: HEIN architekten ZT GmbH, Bregenz

Projektleitung: Bernhard Fink, Stadt Bregenz, Abteilung Hochbau

Örtl. Bauaufsicht: Martin Längle, Stadt Bregenz, Abteilung Hochbau

Planung:  05/2021 bis 01/2022

Ausführung: 08/2021 bis 02/2022

Ausführende: Tragwerksplanung: Markus Flatz, Mader Flatz Schett Baustatik ZT GmbH, Bregenz; Heizung Lüftung Sanitär: Bechter Heizung, Lüftung, Sanitär GmbH, Bregenz; Elektroplanung und Beleuchtung: Ludwig Schneider, Elektroplanung Schneider, Egg; Brandschutzplanung: Werner Köhldorfer, K&M Brandschutz GmbH, Bregenz; Leitsystem und Signaletik: Stadt Bregenz; Kunst am Bau: Marion Pfeiffer/Stadt Bregenz, Kulturservice u. A.

Baumeisterarbeiten: A. Gobber Bau GmbH, Bregenz; Elektroinstallationen: Rist & Co GmbH, Wolfurt; Spengler-Schwarzdecker: Rusch Abdichter, Spengler+Dachdecker GmbH, Lauterach u. v. m.