Mit einem Zubau bekommt die Bezirkshauptmannschaft in Feldkirch
eine barrierefreie Erschließung zum historischen Bestand.
Elegant und praktisch ist der neue Raum, der sich unprätentiös
im Hof hinzugesellt und zahlreiche neue Funktionen bündelt.

Text: Verena Konrad | Fotos: Alexander Hess

Die Bezirkshauptmannschaft Feldkirch hat ihre Räume in einem denkmalgeschützten, mittelalterlichen Gebäudekomplex. Die Gebäudefolge beginnt am Katzenturm, zieht sich den Hirschengraben entlang und endet mit den Gebäuden der Dompfarre. Es ist ein schönes Ensemble und für die Stadt von großer Bedeutung. So wunderbar die Nutzung der historischen Substanz für öffentliche Aufgaben ist, so herausfordernd ist sie auch. Ämter und Servicestellen sollen für die Bürger(innen) zugänglich sein. Bei Neubauten steht Barrierefreiheit ganz oben auf der Checkliste, bei historischen Bauten ist sie oft nur schwer zu erreichen. Schwer zu erreichen war auch der Eingang, der bisher gar nicht leicht in einem schmalen Durchgang zu finden war.

Dunkle Ecken und Durchgänge waren jedoch nicht nur ein Problem für die Orientierung und Erschließung, sondern auch für das Thema Sicherheit. Es ist eine traurige, aber reale Entwicklung: Öffentliche Einrichtungen sehen sich immer mehr mit Sicherheitsfragen konfrontiert – für die Besucher(innen), aber auch für die Mitarbeiter(innen) selbst. Der Zubau sollte beides liefern: eine erste Schaltstelle für den Besuch am Amt: mit Sicherheitsschleuse wie am Flughafen, einem Servicedesk und ein zugängliches, übersichtliches und barrierefreies Entrée, hell und transparent mit Zugang zu einem neu errichteten Liftturm, mit dem nun auch alle Geschoße angefahren werden können.

„Wir wollten die neuen Funktionen
wie selbstverständlich in den Bestand integrieren.“

Ulf Hiessberger
Architekt

Das Feldkircher Architekturbüro Gohm Hiessberger Architekten löste die Aufgabe gewohnt elegant. Ein neuer Baukörper schafft endlich eine angemessene Zutrittssituation. Er beschränkt sich ganz bewusst auf die Flucht des bestehenden Stiegenhauses und fügt sich gleich einem Passstück präzise in den nördlichen Hofbereich ein. Ein neuer Liftturm sorgt dezent für eine barrierefreie Erschließung. Er ist als vertikales Element neben die Stiege vor das Foyer gesetzt und mit einer Streckmetallverkleidung einheitlich ruhig gestaltet. So ruhig, dass er manchem Passanten auf den ersten Blick gar nicht auffällt.

Kunst am Bau
Auch das Foyer selbst ist reduziert und hochwertig. Geschliffener Beton am Boden, Möbel und Verkleidungen von Auskunftsschalter und Security-Bereich sind mit Schwarzstahl belegt, ein hinterleuchtetes, textiles Deckengewebe absorbiert den Schall und sorgt für die Grundausleuchtung. Letzteres wurde als „Kunst am Bau“-Projekt ausgeführt. Als „Kunst am Bau“ werden Werke bezeichnet, die im Rahmen der Verpflichtung öffentlicher Bauten entstehen, einen gewissen Teil der Bausumme für künstlerische Werke einzusetzen. Der in Wien und Feldkirch lebende Künstler Gerold Tagwerker abstrahierte die Deckenarbeit als Referenz an historische Deckengemälde und folgte in der Arbeit der Struktur des Rasters, die in seinem Werk eine wichtige Rolle spielt. Die Arbeit ist schon von außen zu sehen, denn der neue Eingang wirkt mit seiner großzügigen Glasfassade stark nach außen und steht damit symbolisch für Offenheit und eine transparente Verwaltung.

Vorplatz
Besonderes Highlight ist der neu gestaltete Vorplatz, der sich zurücknimmt und so wirkt, als wäre er immer schon da gewesen. Vor allem die bewährten Pflastersteine schaffen diesen Eindruck. Doch der Platz bringt unbemerkt viel Neues: eine großzügige Durchwegung, eine Verbindung unterschiedlicher Niveaus, Bäume, Sitzbänke und ein Wasserbecken aus Betonfertigteilen für ein gutes Mikroklima und hohe Aufenthaltsqualität. Schloßgrabenseitig dient eine Konstruktion aus Stahlblech auf zwei Rundstützen als überdachter, zusätzlicher Fahrradunterstand.
So viel selbstverständliche Eleganz ist preiswürdig. Nächste Woche erhält das Projekt den internationalen Architekturpreis BIG SEE bei einer Zeremonie in Ljubljana überreicht.

Daten und Fakten

Objekt Bezirkshauptmannschaft Feldkirch, Zubau Eingangsgebäude und Vorplatzgestaltung
Bauherr Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abt. Hochbau und Gebäudewirtschaft
Architektur Gohm Hiessberger Architekten ZT GmbH, Feldkirch, www.gohmhiessberger.com
Statik M+G Ingenieure, Feldkirch; www.m-g.at
Fachplanung Örtl. Bauleitung: Wolfgang Summer Baubetreuung, Klaus; Bauphysik: DI Bernhard Weithas GmbH, Lauterach; HSL: Qpunkt e.U., Göfis; Elektro: Ingenieurbüro Brugger GmbH, Thüringen
Planung 08/2021–08/2022
Ausführung 09/2022–08/2023
Nutzfläche 93 m2
Bauweise Stahlskelettbau, Glasfassaden, Lichtturm mit vorgehängtem Streckmetallgewebe als Lichtfilter; Flachdach mit ext. Begrünung; Außenanlage: Pflasterung Porphyr
Besonderheiten Kunst im Bau – Textildecke, künstlerisch gestaltet durch Gerold Tagwerker
Ausführende Baumeisterarbeiten, Außenanlagen, Fertigteile; Hilti + Jehle, Feldkirch; Konstr. Stahlbau: Biedenkapp, Dornbirn; Glaserarbeiten: Glas Müller, Frastanz; Schlosser: Kalb, Dornbirn; Möbeltischler: Ammann, Göfis; Textildecke: Typico, Lochau; geschl. Estrich: Küng Bodenbau, Thüringen
Baukosten 1,7 Mio. Euro