Architektur gewordenes Selbstverständnis: Die von Innauer Matt Architekten
entworfene und aus rotem Sichtbeton gebaute neue Firmenzentrale von Jäger Bau in Bludenz.

Text: Edith Schlocker | Fotos: Adolf Bereuter

Mit der Firmenzentrale von Jäger Bau hat Bludenz eine neue Landmark bekommen. Gelegen am Rand der Innenstadt, wo die Bebauung langsam lichter, architektonisch diverser wird. Der komplett in terrakottarot gefärbtem Sichtbeton gebaute Dreigeschoßer, der im Sinn einer „Blockrandverbauung“ einen ellipsenförmigen Innenhof umschließt, wirkt durch die Konsequenz seiner architektonischen Durchformung fast sakral. Wobei jener Teil des Baukörpers, der, weil in die Kubatur hineingeschoben, sozusagen als fünfte Seite daherkommt. Um mit seinen zwei zusätzlichen Obergeschoßen fast die Anmututung eines Turms zu bekommen.

Nachdem Jäger Bau im Frühjahr 2019 beschlossen hatte, seine Firmenzentrale von Schruns nach Bludenz zu verlegen, ging es ganz schnell. Nach dem Kauf eines rund 2400 Quadratmeter großen Grundstücks in der Herrengasse wurde ein geladener Wettbewerb ausgelobt, den das Bezauer Büro Innauer Matt Architekten gewonnen hat. Mit einem Projekt, dessen markante Architektursprache ganz dem Selbstverständnis des erfolgreichen, dynamischen und einer nachhaltigen Entwicklung verpflichteten Unternehmens entspricht. Ein Gebäude, das so schön sei, dass die Mitarbeiter gar nicht mehr heimgehen wollen, sagt Thomas Lang, einer der Geschäftsführer von Jäger Bau lachend.

„Wir sind angekommen in einem Gebäude,
das uns gefällt, auf das wir stolz sind und in dem wir zuversichtlich
in die Zukunft arbeiten.“

Thomas Lang
Mit-Geschäftsführer von Jäger Bau

Der Außenauftritt des raffiniert gegliederten Baukörpers ist nicht nur wegen seiner Farbigkeit markant. Massive Elemente und durchgehende Fensterbänder gliedern die Fassaden horizontal, reizvoll zum Flirren gebracht durch eng gesetzte – vorgefertigte – vertikale Bauteile aus Sichtbeton, die, indem sie abwechselnd oben bzw. unten zurückweichen, die Gleichförmigkeit der Fassadenrasterung raffiniert aufheben, sie je nach Standort des Betrachters immer leicht anders erscheinen lässt. Die Gebäudehaut sozusagen verlebendigt, nach einer exakten Choreografie zum Tanzen bringt.

Herrengasse liegenden Seiten des Baukörpers sind so zueinander positioniert, dass ein kleiner, urban gepflasterter Platz samt Baum entstanden ist. Hier liegt auch der Haupteingang, über eine verglaste Schleuse hinführend zum 200 Quadratmeter großen, 3,80 Meter hohen Foyer, dessen Anmutung von archaischer Anmut ist. Nicht zuletzt durch seine Decke, die durch rund 300 Halbkugeln mit dem Durchmesser von 28 Zentimetern strukturiert wird, die als Negativformen die Decke skulptural durchpulsen, wobei jede zweite mit einer Lichtquelle bestückt ist. Um auf diese Weise zum klar gerasterten „Sternenhimmel“ zu werden. Runde Lüftungslöcher sind auch in die Wände eingelassen, der Boden ist ein geschliffener Estrich. Und das alles natürlich in Rot. Allein das monumentale Empfangsmöbel ist aus naturbelassenem Eichenholz getischlert. Dieses nicht zuletzt durch seine Dimensionen fast feudale Foyer taugt auch für kleinere Veranstaltungen für die rund 100 Menschen, die hier arbeiten. In den Büros, die zum Außenraum orientiert sind, während sich die Begegnungs- und Besprechungsräume, die kleinen Teeküchen, das Archiv und die Eck-Lounges genauso wie die WCs raumhoch verglast zum ellipsenförmigen Innenhof mit seinen luftigen Galerien öffnen, wobei sich die über dem dritten Geschoß zur fabelhaften Dachterrasse auswächst. Die zwei über dem fast raumhoch verglasten Sockel liegenden Bürogeschoße sind intern durch eine Stiege verbunden und auch die für die Mitarbeiter eingerichtete Bar wird durch ihre massive Brüstung zur skulpturalen räumlichen Intervention.

Die Büros sind letztlich wie ein riesiges, aus Holz und Glas semi-transparent angelegtes Möbel in die Hülle aus Sichtbeton gestellt. Dominiert wie das gesamte Gebäude von nur wenigen puren Materialien und Farben. Der des roten Sichtbetons bzw. der von Eichenholz und des Sisals, mit dem u. a. die Gänge belegt sind. In einem Teil des Erdgeschoßes hat das Tochterunternehmen von Jäger Bau „bad 2000“ seinen Showroom eingerichtet, im „Turm“ die Chefs ihre Büros. Die Möbel stammen, sofern nicht von Innauer Matt Architekten selbst entworfen, von CASA Möbel. Beheizt wird Jäger Bau ökologisch per Erdwärme.

Eine Baukulturgeschichte von
vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter Architektur vor Ort auf www.v-a-i.at

Daten und Fakten

Objekt Firmenzentrale Jäger Bau, Bludenz
Bauherr Jäger Bau
Architektur Innauer Matt Architekten, Bezau; Projektleitung: Matthias Greschner, Rainer Beer; www.innauer-matt.com
Statik Kofler Baustatik, Götzis; www.kofler-baustatik.at
Fachplanung Bauleitung: Jäger Bau, Bludenz; Heizung, Sanitär, Lüftung: GMI Peter Messner, Dornbirn; Elektro: René Fröhle, Schlins; Bauphysik: BDT, Frastanz
Planung 08/2019–12/2021
Ausführung 07/2020–12/2022
Grundstück 2404 m²
Nutzfläche 4200 m² (zzgl. Tiefgarage)
Bauweise Durchgefärbter Sichtbeton; Fassade: Betonfertigteilroste; Terrazzoböden; Massivholzdielen und Bürotrennwände
in Eiche, Naturfaserteppich
Ausführung Baumeister: Jäger Bau, Bludenz; Fenster: Jäger Bau Tischlerei, Schruns; Fenster Pfosten-Riegel: Manahl, Bludenz; Fassade: Sulser, Trübbach; Boden: Burtscher, Nüziders; Wände/Einbaumöbel: Plattner, Hohenems; Trennwände/Türen: Huber, Kirchbichl; Dach: Fritz, Bludenz; Stein: Bad 2000, Bludenz; Elektro: Licht und Wärme, Raggal; u.a.
Energiekennwert 18,2 kWh/m² im Jahr (HWB)
Baukosten 20 Mill. Euro