Die Mittelschule Egg brauchte ein Update. Der Bauplatz war beengt,
eine Aufstockung unmöglich, außerdem gibt es Hangwasser.
Architekt Andreas Xander versenkte den Turnsaal im Erdreich und
erhellte die Schule mit verglasten, mehrgeschoßigen Lichthöfen von innen.
Versetzte Ebenen, viel Glas und Holz machen den Neubau hell,
freundlich und übersichtlich. Er wurde so platziert,
dass die alte Schule bis zur Fertigstellung in Betrieb bleiben konnte,
ohne in einen Container siedeln zu müssen.

Autorin: Isabella Marboe | Fotos: Cornelia Hefel, Bruno Klomfar

Wettbewerbe sind extrem wichtig für die Qualitätssicherung von Architektur. Es gibt nichts Besseres“, sagt Andreas Xander. Er setzte sich im Wettbewerb zur Erweiterung der Mittelschule in Egg im Bregenzerwald mit einem überzeugenden Neubauprojekt gegen prominente Konkurrenz durch. Der Bestand – eine Hallenschule aus den 1970ern – war aus statischen Gründen nicht aufzustocken, auch der Hochwasserschutz ließ sich nicht aufrüsten. Die Schule liegt im Überschwemmungs-gebiet und sollte in eine zeitgenössische Clusterstruktur mit Dreifachturnhalle, Bibliothek und größerer Aula verwandelt werden. Das heißt: Den 16 Klassen waren vier Lernlandschaften und kleine Gruppenräume zuzuordnen, in denen die Schüler(innen) autonom oder in Teams arbeiten können. Außerdem waren Aula, Bibliothek und die Sporthalle nicht im Altbau unterzubringen.

Freundlicher Empfang Ein lichtes, von einem verglasten Innenhof natürlich erhelltes Foyer empfängt Schüler(innen), Lehrende, Eltern und sonstige Besucher(innen).
Lichtquellen Die eingeschnittenen, mehrgeschoßigen, rundum verglasten Höfe wirken als innere Laternen.

„Der Hochwasserschutz bestärkte mich letztendlich darin, die Schule abzureißen,“ sagt Andreas Xander. So steht hier nun ein kompletter, lichtdurchfluteter, kompakter Neubau, der alles bietet, was zeitgemäße Pädagogik und Bewegungsdrang der Schüler(innen) fordern. „Der Trick war, dass die Turnhalle quasi verschwindet.“ Die Dreifachturnhalle, die 27 x 45,6 Meter groß und 7,20 Meter hoch ist, steckt fast ganz im Gelände. Die Tragstruktur verläuft in fünf Achsen über die Länge der Schule, die Trägerhöhe reicht von der Unterkante der Turnhalle bis übers Dach, ist aber überall perforiert, wo es die Statik erlaubt und die Funktion erfordert.

Abwechslung Grüne und orange Jalousien vor den Fenstern bringen Leben und Abwechslung in die Fassade.

Westlich der Mittelschule befindet sich das BORG, das die Innsbrucker a-o Architekten erweiterten (Leben & Wohnen, 14. April 2018), gegenüber ein Kindergarten von Dietrich | Untertrifaller, ein Parkplatz und ein Heizwerk, im Osten das Pflegeheim. Xander wollte vor dem Haupteingang einen großen Freiraum zum Ankommen, Ausschwärmen und Bewegen schaffen. Der ruhige Schulbaukörper gibt ihm Halt. Die Fassade ist streng gerastert, alle Fenster und Öffnungen gleich groß. Ihre orangen und grünen Jalousien bringen Leben auf die demokratisch gleich behandelten Fassaden. Als feinstrukturierte Hülle aus Fichtenlatten, die mit der Zeit vergrauen, ziehen sie sich um die im Grundriss fast quadratische Schule. Dank zweiter zentraler, mehrgeschoßig verglaster Atrien in der Mitte ist sie total übersichtlich.

Überraschung: Hinter einigen Öffnungen der Fassade verbergen sich Loggien – diese hier bildet die Erweiterung einer Lernlandschaft ins Freie.
„Wettbewerbe sind extrem wichtig für die Qualitätssicherung von Architektur.
Es gibt nichts Besseres.“

Andreas Xander
Architekt

Werkraum: An einer Schule im Bregenzerwald darf auch das Handwerk nicht zu kurz kommen. Die Werkbänke wurden von örtlichen Handwerksbetrieben gespendet.
Zeitgenössische Pädagogik: Je vier Klassen teilen sich eine Lernlandschaft, in der die Schüler(Innen) autonom oder in kleinen Gruppen arbeiten können.

Man betritt die Schule hinter dem Vorplatz in einem ganz mit Eiche verkleideten Foyer. Links ist der Musikraum, rechts die neue Bibliothek. Dahinter liegen die Zugänge zu EDV-Raum und Schulküche. Die ganze Aula wird über den ersten Innenhof mit natürlichem Licht geflutet. Symmetrisch daran schließen die Garderoben an. Der zurückgesetzte Eingang mit witterungsgeschütztem Vorbereich ist als breiter Einschnitt klar ablesbar. Er zieht einen sogartig nach innen und betont den lichten Charakter der Schule, wo man von der hellen Aula empfangen wird. Generell dominieren drei Materialien: Sichtbeton für tragende Wandscheiben und Stützen, Eiche an Wänden und Boden, Glas für Innenhöfe und Fenster.Der rundum verglaste Hof wirkt als Lichtquelle von innen: Er erhellt das Foyer, die Garderoben, die um acht Stiegen höher liegen, und die Lehrerzimmer. Das verstärkt die Übersichtlichkeit, eine besondere Qualität der Schule: Das Spiel mit den Ebenen ermöglichte, den Dreifachturnsaal im Gelände zu versenken und so viel Fläche zu gewinnen. Auch im ersten Untergeschoß sorgt der Hof für Helligkeit. Hier belichtet er die zwei Foyers vor den Sitztribünen über der Turnhalle – und ist als Freiraum begehbar.

Frischluft: Der Innenhof belichtet drei Geschoße, ist auch begehbar und eignet sich so wunderbar für Pausen.
Wohldurchdacht: Auch die Gänge, Klassen und Lernlandschaften pro- fitieren von den eingeschnittenen Höfen.

Die Tribünen flankieren die südöstliche Längsseite der Turnhalle und bieten Überblick auf das sportliche Geschehen. Auch das Mobiliar entwarf Xander: Bänke und Garderoben sind von schlichter Eleganz. Die Halle, deren Boden im zweiten Untergeschoß aufsetzt, wird von seitlichen Oberlichten erhellt.Auch eine Kletterwand gibt es. Auf dem Turnsaal beginnt der zweite, hintere Hof: er schenkt dem Gang, den flankierenden Lernlandschaften und zwei Klassen Licht. Die Höfe bilden mehrgeschoßige Laternen, die den Baukörper erhellen und sehr übersichtlich machen. Weil im Bregenzerwald das Handwerk sehr wichtig ist, finanzierten örtliche Betriebe Werkbänke. Auch von der Bibliothek mit ihren fast 6000 Büchern und dem externen Zugang profitieren alle.

Clou des Entwurfs: Die hohe Dreifachturnhalle versenkte Architekt Andreas Xander im Erdreich.
Sensation: Eine Kletterwand gibt es. Auch von einer Galerie aus kann man zusehen.

Daten & Fakten

Objekt Mittelschule mit Sporthalle Egg

Bauherr Marktgemeinde Egg, mit den Gemeinden Andelsbuch und Schwarzenberg

Architektur xander architektur zt, Feldkirch, www.xander.at

Statik gbd ZT, www.gbd.at

Fachplanung: Bauphysik: DI Günter Meusburger, Schwarzenberg; Heizung, Sanitär, Elektro: Müllner, Dornbirn; Lüftung: Klimaplan, Hohenems; Brandschutz: k&m, Lochau; Licht: lichtFACTOR, Feldkirch; Geotechnik: 3P ZT, Bregenz; Bauleitung und Projektsteuerung: Bmst. Ing. Michael Hassler, Dornbirn, Morscher Bau- und Projektmanagement GmbH Dornbirn

Planung 4/2015–2/2019

Ausführung 8/2016–8/2019

Grundstücksgröße 9000 m²

Nutzfläche 7200 m²

Bauweise: Massivbau, Beton und Ziegel, mit vorgehängter Holzfassade; Innenausbau Eiche

Ausführung (Auswahl): Baumeister: Kostmann, St. Andrä; Elektro: Willi, Andelsbuch; Heizung, Sanitär: Markus Stolz, Bregenz; Spengler: Tectum, Hohenems; Fassade: Kaspar Greber, Bezau; Fenster: Böhler, Wolfurt; Türen: Lenz Nenning, Dornbirn; Schlosser: Markus Kalb,
Dornbirn und Simeoni, Andelsbuch

Energiekennwert 6 kWh/m² im Jahr (HWB)

Gesamtkosten: 22 Mill. Euro

Fotonachweis: S. 5 Mitte und unten; S. 6; S. 7 Nr. 5, 7: Bruno Klomfar; alle übrigen: Cornelia Hefel