Die Art und Weise, wie in der Gegenwart gebaut wird, wird noch in der zweiten Hälfte
dieses Jahrhunderts die Treibhausgasbilanz beeinflussen.

Über zehn Prozent der jährlich anfallenden heimischen Emissionen werden dem Gebäudesektor zugeschrieben. Bei Berücksichtigung des gebäuderelevanten Beitrags in der Fernwärme- und Stromerzeugung liegt der Anteil jedoch signifikant höher.Heizen, Warmwasserbereitstellung und Kühlung benötigen erhebliche Mengen an Energie. In den EU-Staaten ist der Energieverbrauch von Gebäuden für rund 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs verantwortlich; in Österreich machen Raumwärme und Warmwasser (mit Klimatisierung) rund 27 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Der Wechsel von fossiler Energie (insbesondere Heizöl) auf erneuerbare sowie strengere Energiestandards führten zu ersten Klimaschutzerfolgen in den Vorjahren. Die Treibhausgasemissionen sind dadurch gesunken; der energetische Endenergiebedarf ist aber immer noch höher als zu Anfang der 1990er-Jahre.

Besondere Bedeutung

Dem Wohnbau kommt im Klimaschutz besondere Bedeutung zu: Beim Neubau oder der Sanierung eines Gebäudes werden Entscheidungen über den Energieverbrauch der nächsten Jahrzehnte getroffen. Die Bauqualität beeinflusst das Leben der Menschen täglich und trägt wesentlich zur Zufriedenheit und Gesundheit bei. Darum sollten schon bei der Planung entsprechend Experten eingebunden werden. Immer entscheidender für künftige Neubauten wird die Größe des Wohnraums. Denn je größer der Raum, desto größer der Energieverbrauch für das Heizen. Energieeffiziente Häuser sind somit kompakt und quaderförmig gebaut, verzichten auf Vorsprünge und Erker.

Voraussetzungen

Eine hohe Energieeffizienz von Häusern wird vor allem durch eine gute Wärmedämmung und Abdichtung der Gebäudehülle erreicht. Diese Art zu bauen wird als Niedrigenergiebauweise bezeichnet. Diese ist sowohl mit Holz- als auch Massivbauweisen mit entsprechendem Wandaufbau und Dämmschichten unter dem Dach möglich. Unbedingt dazu gehören wärmedämmende Fenster mit Mehrfachverglasung und gut abgedichtete Türöffnungen. Je dichter das Haus ist, desto weniger Raumwärme entweicht durch Öffnungen und Fugen nach außen und desto geringer ist dann folglich der Heizbedarf. Je nach erreichtem Standard wird von Niedrigenergie-, Niedrigstenergie- oder Passivhäusern gesprochen. Letztere sind fast vollständig luftdicht gebaut und grundsätzlich mit einer automatischen Komfortlüftung ausgestattet, die das Lüften über die Fenster überflüssig macht. Es muss nur noch minimal geheizt werden.

Offensive fortgesetzt

Fortgesetzt wird demnach auch die Sanierungsoffensive des Klimaschutzministeriums in Österreich in den Jahren 2023 und 2024. Die Schwerpunkte liegen einerseits beim Tausch von alten Öl- und Gasheizungen und andererseits bei der thermischen Sanierung von schlecht gedämmten Häusern. 2023 bringt deutliche höhere Förderungen für thermische Sanierungen. Beide Maßnahmen sind somit ein wichtiger Schritt in Richtung Energie-Unabhängigkeit und stehen für einen wichtigen Beitrag, um die Energiekosten zu senken. Bis 2026 stehen insgesamt dafür fast zwei Milliarden Euro zur Verfügung.

Förderungen vom Land

In den Vorarlberger Neubauförderungsrichtlinien für den privaten sowie den öffentlichen Wohnbau ist heuer seit 1. Jänner erstmals ein Bonus für den Neubau von Gebäuden vorgesehen, die die klimaaktiv-Deklarationsstufe Gold (mehr dazu unter www.klimaaktiv.at/Foerderungen) erreichen. Vorarlberg ist damit das vierte Bundesland, in dessen Wohnbauförderungsrichtlinien die Kriterien des klimaaktiv-Gebäudestandards verankert sind. Der Bonus für Gebäude, die in der klimaaktiv-Fertigstellungsdeklaration die Stufe Gold erreichen, wird – wie die gesamte Wohnbauförderung für Neubauten – in Form zinsgünstiger Kredite gewährt. Der klimaaktiv-Bonus in Höhe von 35.000 Euro kann mit weiteren Boni in der Rubrik Klimaschutz und Regionalität kombiniert werden. Das sind etwa Boni für Fenster aus regionalem Holz, Fassaden, Wände, Decken oder Dachkonstruktionen aus regionalem Holz, aus regio-nal hergestellten Ziegeln, aus Lehm oder aus Recycling-Beton. Ein klimaaktiv gebautes oder saniertes Gebäude bedeutet nach Experten-Auskunft:
• hohe Planungs- und Ausführungsqualität
• Behaglichkeit und Komfort
• niedriger Energieverbrauch und somit niedrige Heiz- und Betriebskosten
• sehr gute Raumluftqualität.

Unabhängig von den Boni in der Rubrik Klimaschutz und Regionalität wird der Basisförderungskredit vergeben, im privaten Wohnbau sind darüber hinaus weitere Zuschläge nach sozialen Kriterien möglich.

Bund unterstützt weiter

Weiterhin gültig ist auch der „Raus aus Gas“-Bonus. Wer seine Gasheizung auf ein modernes, klimafreundliches Heizsystem tauscht, bekommt 9500 Euro Bundesförderung. Beim Tausch einer fossilen Ölheizung gibt es weiterhin 7500 Euro. Zu diesen Fördermitteln gibt es jeweils auch noch zusätzliche Förderangebote der Bundesländer. Auch bei der Umsetzung gibt es Verbesserungen. Der Zeitraum zwischen Registrierung und der Antragstellung – die erfolgt, sobald das neue Heizsystem eingebaut ist – wird ab 2023 von bisher sechs auf zwölf Monate verlängert, womit auf die hohe Nachfrage oder zeitweilige Lieferengpässe bei den Herstellern reagiert werden solle, hieß es dazu (weitere Informationen zu Sanierungs- und Kesseltauschförderung finden Sie unter umweltfoerderung.at/privatpersonen).