Im Zentrum von Lustenau stand die einstige Filiale der Bank Austria leer.
Das Lustenau Marketing betreibt nun dort den BOTTA Shop, einen Laden für
Produkte aus dem Ort. Die Architekturwerkstatt Dworzak-Grabher gestaltete ihn
mit kleinem Budget, viel schwarzer Farbe und einem klugen Regalsystem
als Bühne für Dinge „made in lustenau“. Zwei riesige Segel aus Stoffmustern
der Lustenauer Stickerei Hoferhecht an der Decke setzen ein Signal für Authentizität,
die Ex-Bankomatnische ist nun eine „Wunderkammer“ für Kunst.

Text: Isabella Marboe | Fotos: Petra Rainer

Die Bankbranche hatte schon bessere Zeiten, auch in Lustenau musste eine Bank-Austria-Filiale schließen. Sie lag sehr zentral, aber frequenztechnisch ungünstig an der Hinterseite des Reichshofsaales, dem größten Veranstaltungszentrum der Gemeinde. Er ist Baujahr 1987, seine Architektur eine eigenwillige Interpretation der Postmoderne. Rechts und links vom Haupteingang rollen zwei Lokale ihre Gastgärten auf den Kirchplatz aus, gegenüber ist ein größerer Bau mit Sutterlüty, ein paar Fachmärkten und einem riesigen Vordach. Hier gibt es oft Freiluftkonzerte, auch die Wiener Brachialrocker Wanda traten schon auf. Ein blauer Boden dehnt den Platz bis auf die Freifläche unter dem Vordach und die Straßen rund um den Reichshofsaal aus. Die Farbe bezeichnet das Areal des erweiterten Kirchplatzes. Die einstige Bankfliliale liegt an seiner Peripherie. Ihre Büros waren im Erdgeschoß eines schmucken gründerzeitlichen Eckhauses untergebracht, das Foyer im anschließenden Anbau aus den 1970ern. Auch hier finden sich postmoderne Spuren. Die Fassade des Ex-Kundenfoyers ist aus raumhohen, schmalen Glaselementen in Edelstahlprofilen mit dekorativem Abschluss. Sie vollziehen einen leichten Bogen nach innen. Bürgermeister Kurt Fischer und Vizebürgermeister Daniel Steinhofer hatten die Idee, im Leerstand ein Geschäft für örtliche Betriebe einzurichten.

Die Geburtsstunde des BOTTA Shop. Er wird höchst professionell von der Innovationsagentur Lustenau Marketing betrieben. „Wir wollten an einem Ort gebündelt zeigen, was in Lustenau entsteht“, sagt Geschäftsführerin Nathalie Roithinger. „Wir sind auch Anlaufstelle für Tickets, Einkaufsgutscheine, Öffi-Fahrkarten. Im Sommer bespielen wir den Platz mit Verkostungen, Nachtflohmärkten, Konzerten. Aber nie in Konkurrenz zu den Wirt(inn)en am Platz.“ Ein horizontaler, schwarzer Streifen trennt optisch das Erd- vom Obergeschoß. Dort zieht nun der orange hinterleuchtete Schriftzug „made in lustenau“ den Blick ums Eck zur Stahlglasfassade. Das perfekte Schaufenster für den BOTTA Shop, der sich so selbst ausstellt. Er muss für sich sprechen.

„Schönen und guten Dingen aus dem Ort ein Schaufenster im Zentrum zu bieten und dabei noch Leerstand mit neuem Leben zu füllen, ist eine tolle Sache“, sagt Architekt Stephan Grabher. Das Lustenauer Büro Dworzak-Grabher hatte sich schon länger mit der städtebaulichen Situation befasst. Es sah im BOTTA Shop eine Möglichkeit, auch die Rückseite des Reichshofsaales zu beleben. Die Gestaltung beginnt im öffentlichen Raum. „Bauminsel“ nennen sie das Stadtmöbel aus Kräutern, Bank und Sitzwelle, das nun zwischen Radständern mit BOTTA-Tafeln vorm Eingang steht, eine schwarze Litfaßsäule beschreibt, was er bietet: Originelles und Originales, Kunst, Events, Kulinarik. Verheißungsvoll schimmert er durch die Fassade. Das Budget war klein, Farbe ist ein preisgünstiges, starkes gestalterisches Mittel. Die Architekten tauchten Boden, Stützen, Wände und Decke ganz in Schwarz, um die ausgestellten Produkte leuchten zu lassen. Der Raum wird zur Guckkastenbühne für die Dinge, weitere wesentliche Gestaltungselemente sind Mobiliar und Licht. Dabei spielte der regionale Bezug eine wichtige Rolle. Die Gemeinde mietete das Lokal auf zehn Jahre, das Mobiliar ist flexibel. Wechselt der BOTTA Shop den Ort, kommt es mit.

„Der BOTTA Shop rückt Lustenau ins Zentrum.
Schönen und guten Dingen aus dem Ort ein Schaufenster zu bieten
und dabei noch Leerstand mit neuem Leben  zu füllen,
ist eine tolle Sache.“

Stephan Grabher
Architekt

Zwei riesige Patchwork-Stoffsegel an der Decke sind Blickfang, akustisch wirksam, verdecken die Lüftung und dimmen die bestehende Beleuchtung. Vor allem tragen sie Identität. Die Stoffstücke, aus denen sie zusammengenäht sind, stammen aus verschiedenen Musterbüchern der Lustenauer Stickerei Hoferhecht. Jedes erzählt eine Geschichte, in diesem Segel kann man sich verlieren.

Massive Holzkisten aus Lustenauer Obstbaumholz sind die solide Basis für ein Regalsystem, das man mit Stahlklemmen beliebig kombinieren kann. An ihnen lassen sich auch LEDs befestigen, um Dinge schön auszuleuchten. Das bringt jedes einzeln optimal zur Geltung, gemeinsam bilden sie ein Ensemble. Die Monatsmiete pro Kiste beträgt 60 Euro, die unterste Reihe dient als Lager. Jede Kiste kann Hocker werden, auch der große Tisch in der Mitte eignet sich für vieles. Die einstige Bankomatnische ist nun eine schwarze „Wunderkammer“ für Kunst aus Lustenau. Ein Ort für Vernissagen und ein Schaufenster zum Platz.

Eine Baukulturgeschichte von
vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter Architektur vor Ort auf www.v-a-i.at

Daten und Fakten

Objekt Botta Laden, Lustenau
Bauherr Eigentümer Ortsmarketing Lustenau, Marktgemeinde Lustenau
Architektur Architekturwerkstatt Dworzak-Grabher, www.dworzak-grabher.at
Fachplanung grafische Gestaltung: Sägenvier, Dornbirn
Planung 11/18 bis 03/19
Ausführung 04/19 bis 06/19
Nutzfläche Laden: 125 m², Büro: 95m², Keller: 75m²
Bauweise Innenausbau: Fächer aus massivem Lustenauer Streuobstholz, Theke aus Beton mit Rheinkies auf rohem Schwarzstahl; Deckensegel aus Ansichtsmustern der Lustenauer Stickerei Hofer Hecht; Kugelgarn auf bestehendem Doppelboden; Büromöbel aus Baubuche
Ausführung Tischler Fächer: Kubik3, Lustenau; Tischler Büromöbel: Hagen, Lustenau; Stahlteile: Neuko, Lustenau; Betontheke: Lerbscher, Hard; Deckensegel: Typico, Lochau; Bodenbeläge: Ludovikus, Lustenau; Elektro: Stroj, Lustenau; Trockenbau: Sard, Lustenau
Baukosten ca. 200.000 Euro